Gesundheit und Krankheit aus ganzheitlicher Sicht
Schon der Volksmund sagt, dass Gesundheit "unser höchstes Gut" ist. Jeder wünscht sich und anderen vor allem Gesundheit. Was aber ist Gesundheit eigentlich und was tun wir, um unsere Gesundheit und die unserer Tiere zu erhalten oder wieder zu erlangen?

Lange Zeit hielten sich viele Menschen für gesund, wenn sie frei von körperlichen Symptomen waren. Inzwischen wissen wir, dass unsere Gesundheit von vielen Faktoren abhängt. Wir haben erkannt, wie wichtig eine gesunde Psyche ist und welchen großen Anteil unsere seelische Verfassung, unsere Einstellung und unsere Art zu denken bei der Entstehung von Krankheiten hat. Ein Lebewesen ist eben nicht nur Körper, Seele oder Geist. Alle gemeinsam, in harmonischem Zusammenspiel, werden zum gesunden Ganzen. Wir sind mehr als die Summe unserer Einzelteile, oder wie Albert Einstein es so treffend ausdrückte "Ein Haus besteht aus einem Haufen Steinen, aber ein Haufen Steine ist noch lange kein Haus."

Die augenblickliche gesundheitliche Situation bei Mensch und Tier macht es nicht nur dringend erforderlich, dass wir in der Medizin über neue Wege der Behandlung nachdenken, sondern auch, dass wir Krankheit und das Kranksein mit neuen Augen sehen. Der Kampf der vergangenen 100 Jahre gegen die „bösen" Erreger und gegen Krankheit generell zeigt, dass Krankheit nicht auszurotten ist. Egal wie strategisch und kriegerisch wir dabei auch vorgehen. Vielleicht gibt uns die Natur damit zu verstehen, dass ein Leben ohne Krankheit nicht unbedingt sinnvoll und vielleicht auch gar nicht möglich ist?

Dieser Gedanke scheint auf den ersten Blick absurd, denn schließlich wollen wir ja alle gesund durchs Leben gehen. Doch wenn wir uns näher mit Krankheit befassen, stellen wir fest, dass Krankheit durchaus einen Sinn hat. Nach jeder durchgemachten und bewusst erlebten Krankheit ist man, egal ob Mensch oder Tier, ein Stück gewachsen und gereift. Krankheit bedeutet immer eine Auseinandersetzung mit sich selbst und seinen Defiziten. Sie bietet uns aber die große Chance über das Annehmen unserer Schwächen und deren Verarbeitung wieder ein Stück heiler und gesund zu werden.

Das bedeutet nicht, dass wir Krankheit als gottgegeben hinnehmen müssen. Wir sollten aber darüber nachdenken, wie wir mit ihr umgehen.

Was können wir tun, damit unsere Tiere eine Krankheit besser verkraften? Wie können wir ihnen helfen mit einer Krankheit fertig zu werden? Wie können wir ihre körperliche und seelische Gesundheit generell stärken, dass sie möglichst gar nicht mehr so oft krank werden? Was bedeutet es krank zu sein? Und warum und wodurch werden wir überhaupt krank?

Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten müssen sehr oft als Ursache für so viele Krankheiten herhalten. Doch wenn sie die Ursache sein sollten, warum erkranken dann nicht alle, sondern nur einzelne Tiere? Warum haben einige Tiere ein gut funktionierendes Immunsystem und andere nicht? Jedes Lebewesen muss sich täglich mit einer Vielzahl von Erregern auseinandersetzen, und kann das meistens auch problemlos. Aber sobald etwas mit uns nicht stimmt, bekommen die Erreger das Terrain, das sie brauchen, um sich unkontrolliert auszubreiten. Das bedeutet, dass das Terrain, das ein Lebewesen bietet, mit entscheidend ist und nicht die Erreger. Unser Terrain (die Homöopathen nennen sie die Lebenskraft) ist vergleichbar mit der Erde in einem Garten. In kranker, ausgelaugter Erde wachsen keine gesunden Pflanzen, so wie sich in einem schwachen, gestörten Terrain keine Gesundheit etablieren kann.

Von der Schwäche bzw. Stärke der jeweiligen Lebensenergie hängt es unter anderem ab, wie jemand auf Krankheitsauslösende Ursachen wie z.B. eine vermehrte Anzahl von Erregern reagiert. Diese Lebensenergie ist bei jedem Lebewesen individuell ausgeprägt und wird zudem von vielen Faktoren beeinflusst. Krankheit ist demzufolge ein Defizit an (Lebens-)Energie, die anzeigt, dass Ihnen bzw. ihrem Tier etwas fehlt. Viel wichtiger als die "Bekämpfung" von Erregern ist demzufolge die Stärkung und Unterstützung der Lebensenergie.

Ein ganz wichtiger Aspekt bei der Betrachtung von Krankheit ist, dass wir versuchen die Krankheit zu verstehen, die unser Tier hat. Krankheit hat immer etwas mit dem Lebewesen zu tun, das sie bekommt. Der Körper teilt uns durch die Krankheitssymptome etwas mit. Er macht darauf aufmerksam, dass etwas im Ungleichgewicht ist. Die Ursachen von Erkrankungen liegen immer tiefer, das für uns sichtbare Symptom ist nur ein Hinweis. So wie eine rote Warnleuchte an einem Elektrogerät ein Hinweis auf eine Störung im Gerät ist und nicht die Störung selbst darstellt. Das Tier ist also nicht krank, weil es Symptome zeigt, sondern es zeigt Symptome, weil es krank ist.

Aber selbst wenn die Ursachen für eine Erkrankung offensichtlich sind, werden sie in vielen Fällen nicht beachtet, da das ja in der Folge mit Unannehmlichkeiten verbunden sein könnte. Oft erfordert Krankheit eine Umstellung von vertrautem Verhalten, wie z.B. der Ernährung oder den Haltungsbedingungen. Zumindest müssen wir die Haltung und Erwartungen überdenken, die wir gegenüber unserem Tier haben.

Krankheit fängt dann an Sinn zu machen, wenn wir versuchen ihre Botschaft zu verstehen und unsere Lehren daraus ziehen. Nicht, wenn wir sie bekämpfen, die Augen vor den möglichen Hintergründen verschließen, und hoffen, dass wir so weitermachen können wie zuvor.

Das Ziel von ganzheitlichen Behandlungsmethoden wie z.B. der klassischen Homöopathie ist es, dem Patienten einen Anstoß zur Selbstheilung zu geben, um ihm die Wiederherstellung des inneren Gleichgewichts zu ermöglichen. Wirkliche Heilung setzt immer eine Auseinandersetzung mit sich selbst voraus mit dem Ziel, an dem zu arbeiten, was bis dahin verdrängt und unterdrückt wurde. Es ist dabei wichtig zu erkennen, dass nur der Kranke sich selbst heilen kann und nicht etwa der Arzt. Genau so wenig wie ein Wegweiser für sie einen Weg gehen kann. Er kann nur eine Richtung anzeigen, die zum Ziel führt. Den Weg zur Heilung muss jeder selbst gehen. Der Behandler bietet dem Kranken eine helfende Hand, um ihm auf den rechten Weg zu helfen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Was können wir tun, um unser Tier im Krankheitsfall sinnvoll zu unterstützen? Als aller erstes sollten wir die Situation annehmen wie sie ist. Was bedeutet, dass wir die Krankheit voll und ganz akzeptieren. Wir sollten uns die Zeit nehmen darüber nachzudenken, was hinter der Krankheit, unseres Tieres steckt. Die Krankheiten unserer Tiere haben sehr häufig etwas mit uns zu tun. Tiere leben eng mit uns zusammen, nehmen viel von uns auf und leben viel für uns aus. Es ist nicht unbedingt einfach zu erkennen was sich dahinter verbirgt. Noch viel schwieriger ist es, das anzunehmen und etwas daran zu ändern.

Natürlich ist es schwer bei einem Tier das zu tun, was wir bei uns selbst möglichst vermeiden, nämlich Verantwortung für das zu übernehmen was wir verursacht haben und was mit uns und durch uns passiert. Sobald wir aber beginnen die Eigenverantwortung für unsere Krankheiten und die unserer Tiere zu übernehmen, werden wir auch die Einsicht und Geduld aufbringen eine echte Heilung anzustreben. Eine echte Heilung setzt immer Mitarbeit und eigene Anstrengung voraus. Symptome verschwinden dann nicht von heute auf morgen. Dafür steht oft am Ende nicht nur ein (wieder) gesundes Tier, sondern häufig auch ein gesundes oder gesünderes Frauchen und/oder Herrchen.